KILIMANJARO– To the Roof of Africa; Sep. 2002
Unser Weg durch Savanne, Regenwald, Heideland, Steinwüste und ewiges Eis bis zum Gipfel.
Teilnehmer:
Petra Braun, Maria Beham, Ingrid Böhm, Christian Kolp, Christian Falkensteiner, Heinz Stadler |
Dienstag, 10. Sept.02 / 6 h walk, Machame Hut 2990 m
Pole, Pole
Unser erster Tag am Kili. Wir werden mit einem Kleinbus vom Hotel abgeholt. Stop bei einer Fleischerei am Weg. Es wäre besser gewesen, man hätte den Blick auf das dort herumhängende Fleisch nicht gewagt, ein nicht gerade appetitanregender Anblick.
Das Machame Gate auf 1880 m ist der Einstieg zu unserer Route. Die Machame Route ist etwa 80 km lang und wir werden in den nächsten 6 bis 7 Tagen
7 Schluchten entlang des Berges queren.
Am Gate ist reges Treiben, unsere Rucksäcke liegen alle auf einem Haufen, rundherum Proviant, unsere Zelte. Jede Menge Porters und Guides.
Ndesario ist unser Bergführer. Er ist klein und zierlich und strahlt eine ruhige, gelassene Art aus.
Natürlich leben hier nur Schwarze, weißhäutig sind hier nur die Touristen
die den Berg hinauf wollen und das sind Gott sei Dank auf dieser Strecke nicht allzuviele. Es werden uns 6 Träger zugewiesen, die in den nächsten Tagen unsere großen Rucksäcke auf knapp 6000 m hinauf schleppen werden – auf dem Kopf versteht sich.
Weiters wird uns noch ein Koch begleiten, ich denke, damit ist die Crew komplett... :-)
Heute sind es in Summe 6 Stunden Fußmarsch – die erste Zeit ziemlich gerade verlaufend durch Laubwald, dann durch dicht bewachsenen
Regenwald. Pole Pole ist die Devise. Hier wird einem die Langsamkeit gelehrt. Wer zu schnell startet, begibt sich in Gefahr,
die Akklimatisierung nicht zu schaffen. Und AMS ist heimtückisch und ein Weitergehen damit undenkbar. Für uns alle klar;
Chr. F und Chr. K (die Christians’ns) sind ein wenig schwerer zu bremsen. Die nächsten Tage sehen wir die blaue und die rote
Jacke nur von hinten am Berg, bei unseren Mittagsstops und abends im Zelt.
Später am Nachmittag geht es steil bergauf, über dickes Wurzelwerk. Der Regenwald ist dicht bewachsen und läßt nur ab und zu Sonnenstrahlen auf den Boden. Der Boden ist weich aber nicht schlammig. Bei Regen sieht es hier vermutlich etwas anders aus. Aber das Wetter ist gnädig, es ist angenehm warm, wir sind in Shorts und T-Shirt unterwegs. Viele Farne und Lianenvon
den Bäumen, ich wußte gar nicht, daß es so viele verschiedene Grüntöne gibt. Würzige Luft und noch gut zu atmen.
Konditionell geht es uns allen großartig und da uns nur die Tagesrucksäcke bleiben, mit Wasser, Jacken und sonstigem Krims-Krams bepackt,wird auch der Rücken geschont.
Unser erstes Camp auf knapp 3000 m. Zelte aufstellen und warmen Tee trinken. Die Dunkelheit erreicht uns früher als wir damit rechnen – ach ja, wir sind fast direkt am Äquator. Dinner bei Kerzenschein: auf einer Decke und auf unseren Thermo-Sitzpölstern am Boden sitzend. Es hat etwas 7-8 °C.
Mittwoch, 11. Sept.02 / 5 h walk / Shira Hut 3840 m
Kalte Nächte unter Sternen
Wir frösteln beim Aufwachen. Für einige von uns war die erste Nacht eisig kalt. Entscheidend ist der Comfort Bereich des Schlafsackes.
Tja, und – 5 °C , so stellen wir fest, ist in jedem Fall viel zu wenig. Doch es wird bei den ersten Bewegungen sofort warm und die Sonne steht schon wieder hoch am Himmel. Der Weg führt die ersten Stunden steil bergauf. Den Regenwald haben wir längst hinter uns gelassen. Erikasträucher prägen die Landschaft, Heideland nennt man diesen Abschnitt. Der Boden ist nicht mehr
matschig, sondern sandig. Bei jedem Schritt wirbeln wir Staub auf und das Wort „Dreck“ bekommt eine neue Dimension!!!
Wir gehen an den ersten riesigen Steinblöcken vorbei bis auf 3700 m Höhe. Hier quert man bei gleichbleibender Höhe offenes Gelände.
Auf den Wiesen stehen Senecien. Sie erinnern mich an Yuka-Palmen und stehen manchmal ganz dicht, wie richtige kleine Wälder zusammen. Ansonsten findet man mehr und mehr grüne Lobelien, die aussehen wie rießige Ananasfrüchte und ca. einen halben Meter hoch wachsen. An Blumen gibt es auf dieser Höhe! verschiedene Lilien und Orchideenarten und weiße Knollenblumen, die
aussehen wie Strohblumen. Noch dominiert die Farbe Grün das Landschaftsbild, aber es wird schon karger. Shira Hut ist unser zweites Camp auf einem Plateau. Jetzt wird es wirklich kühl und es hagelt sogar kurzfristig. Bizarre Hochgebirgswelt um uns herum, aber wolkenumhangen.
Teilweise lassen die Wolken den Gipfel frei und man sieht die ersten Gletscher. Ein traumhafter Anblick. Kondition und Stimmung ist super, wir sind den ganzen Tag wieder sehr gemächlich gewandert und haben in Summe
900 Höhenmeter in den Beinen. Wir sind zwar nicht die einzigen im Camp, aber es ist bei weitem nicht so touristisch wie ich dachte
und die meisten der aufgeschlagenen Zelte gehören ohnehin den Porters.
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