Heute ist unser Ziel das Sherpadorf Thame Og. Wir steigen zum Mendaphu Hill oberhalb des Ortes und können von hier aus erstmals die Gipfel des Everest, Lhotse, Tamboche und Ama Dablam sehen. Nun geht es vorbei an kleinen Manimauern und hübschen Chörten in ein abgelegenes Seitental. Nach 5 Stunden Gehzeit erreichen wir in 3.765 m den Zeltlagerplatz. Richtung Norden verläuft über den Nangpa La Pass ein wichtiger Handelsweg nach Tibet. Vor 500 Jahren wanderten die ersten Sherpaklans aus Osttibet nach Nepal ein und noch heute ziehen Yak-Karawanen mit Handelswaren durch das Tal. Hier schlagen wir unsere Zelte auf.
Ich habe in der ersten Zeltnacht gut geschlafen und wir steigen über eine Seitenmoräne zum Mönchsdorf und Kloster Thame Gompa auf. Mittagspause mit Rarasuppe und einem wunderschönen Ausblick zum Cho Oyu (8.201 m). Vorbei am neuen, von Österreichern erbauten Wasserkraftwerk, wieder talauswärts erreichen wir das Dorf Khunde. Unter wilden Kirschbäumen und Wacholdersträuchern schlagen wir auf 3.800 m unsere Zelte auf. Wir besichtigen das von Edmund Hillary erbaute Krankenhaus. Der Weg geht immer wieder steil bergauf und bergab und zwei von unserer Gruppe leiden bereits an Höhenkrankheit. Werner muss sogar in die aufblasbare Druckkammer.
Nach einem ausgezeichneten Frühstück marschieren wir hinab nach Sanasa und weiter über den Höhenweg 2 Stunden nach Mon La auf 3.973 m. Vor uns liegt die Ama Dablam und mit dem Fernglas können wir zwei Bergsteiger in den Eisflanken beobachten. Begleitet von Geiern, wilden Bergziegen und Yaks erreichen wir nach weiteren 5 Stunden Gehzeit unseren Zeltplatz im Dorf Phortse auf 3.745 m. Bagbir Pun unser Koch bereitet wieder ein unglaubliches Abendessen für uns zu. Suppe extrascharf, gebratenes Yakfleisch mit wilden Kräutern aus der Umgebung und zum Nachtisch ein Kuchen, lassen uns die Strapazen des Tages schnell vergessen. Wir erfahren, dass heuer noch keine Gipfelbesteigung auf den Mt. Everest möglich war. Starker Schneefall und orkanartige Winde verhinderten bisher einen Gipfelsieg. Ein Hochlager wurde vom Sturm einfach weggefegt.
Bei starkem Nebel und Wind brechen wir im Morgengrauen auf und gehen stumm, tief in unsere Jacken verpackt, steil den felsigen Weg bergauf. Nach und nach lichtet sich der Nebel und über uns thronen die mächtigen Gipfel des Kongde Ri, Everest, Nuptse, Lhotse und Taboche. Ein traumhafter Ausblick der durch die vielen, bunten Gebetsfahnen, die überall hängen noch imposanter wird. In Pangpoche machen wir Rast und stärken uns mit Zitronentee und einer Rarasuppe. Diese Instantnudelsuppe wird mit Kräutern und Gemüse verfeinert und schmeckt wirklich ausgezeichnet. Nach fast 6 Stunden und 1.150 Höhenmeter Auf- und Abstieg erreichen wir unser Ziel die Taboche Hochalm auf 4.380 m. Auf dieser Hochalm verbringen die jungen Yaks den Sommer. Schneefall und kalter Wind lassen nicht nur uns sondern auch die Sherpas rasch in die Zelte verschwinden.
Ein langer Tag steht uns heute bevor. Um 5 Uhr früh werden wir geweckt und noch ganz verschlafen begeben wir uns ins Essenszelt. Die Schritte knirschen in der gefrorenen dünnen Schneeschicht und wir frösteln. Wir werden heute den 5.305 m hohen Taboche Sanu besteigen. Mit leichtem Gepäck steigen wir stetig steil bergauf und achten darauf immer langsam und gleichmäßig zu gehen, denn die dünne Luft fordert unsere ganze Kondition. Die letzten Höhenmeter zum Gipfel müssen wir ausgesetzte Felsstufen erklettern und werden dann mit einem großartigen Blick auf die Eisflanken der umliegenden Achttausender belohnt. Nach den Gipfelfotos geht's wieder zurück zum Lager und dann weiter bis Pangpoche. Nach fast 8 Stunden und über 2.000 Höhenmeter anstrengendem Marsch erreichen wir ziemlich erschöpft Pangpoche. Wir beziehen eine Lodge und können wieder mal so richtig ausschlafen. Einige unserer Truppe klagen über Kopfschmerzen, die durch die große Höhe auftreten. |